"In einer durchkommerzialisierten, auch im Kunstmarkt extrem beschleunigten Bilderwelt, die Informationen mit Erkenntnissen verwechselt, nimmt sich eine Malerei philosophisch aus, die mit Platons Lehre zu sagen scheint: „Ich weiß, dass ich nichts weiß.“

Matthias Winzen über die Malerei von Gerhard Martini

Lack auf Blech

Amtsarzt in Paradise, 20 x 28 cm, Lack auf Offsetblech, 2008

Deepest Secret Fear, 15 x 27 cm, Lack auf Offsetblech, 2010

Fire On The Mountain, 25 x 17 cm, Lack auf Offsetblech, 2009

Blutwurst, 28 x 13 cm, Lack auf Offsetblech, 2010

Auto, 20 x 23 cm, Lack auf Offsetblech, 2005

Keiner der Schicksalsschläge war überraschend gekommen, 11,6 x 29 cm, Lack auf Offsetblech, 2010


Hühnerbeine (Flamingo), 20 x 15 cm, Lack auf Offsetblech, 2008

Coco, 23 x 20 cm, Lack auf Offsetblech, 2001

Gates of Delirium, 15 x 20 cm, Lack auf Offsetblech, 2009

Hund (scheißt), 20 x 15 cm, Lack auf Offsetblech, 2010

House of Leid, 20 x 24 cm, Lack auf Offsetblech, 2010

Janus, 20 x 24,5 cm, Lack auf Offsetblech, 2011

Lieber Axel, 25 x 15 cm, Lack auf Offsetblech, 2010

Sägeblatt,  15 x 30 cm, Lack auf Offsetblech, 2010

Rilke in Davos, Lack auf Offsetblech, 30 x 20 cm, 2010

Massage, 20 x 16 cm, Lack auf Offsetblech, 2010

Schnellkurs des vereinfachten Malens, 29 x 21 cm, Lack auf Offsetblech, 2011

Ratte, 20 x 15 cm, Lack auf Offsetblech, 2005

Socken, 30 x 46 cm, Lack auf Stahlblech, 2010

Schwarzwälder Kirsch, Lack auf Offsetblech, 22 x 21 cm, 2009

Wolf, 16,5 x 20 cm, Lack auf Offsetblech, 2009

Sportschütze, 30 x 20 cm, Lack auf Stahlblech, 2010

Vogel, 20 x 13 cm, Lack auf Offsetblech, 2002

The Bloody Five, 30 x 21 cm, Lack auf Offsetblech, 2010

Wildente, 20 x 15 cm, Lack auf Offsetblech, 2010

Mother Mary, 25 x 20 cm, Lack auf Offsetblech, 2009

Lack auf Blech
Marcel Baumgartner

Zum Einrichten seiner Ausstellung im 'Neuen Kunstverein Gießen' war Gerhard Martini am 29. März mit einem detaillierten Hängeplan angereist, der, wenn er ihn denn schon fertig gestellt gehabt hätte, bevor die Einladungskarte zum Druck gegeben worden war, vielleicht zu einem anderen - allerdings ebenso lapidaren - Ausstellungstitel geführt hätte: '80 Bilder', meinte der Künstler, würde er die Ausstellung vielleicht jetzt nennen. -Achtzig Bilder in 'den Räumen' des 'Neuen Kunstvereins Gießen'? Die Ankündigung hätte zweifellos jeden mit den Örtlichkeiten vertrauten Empfänger der Einladungskarte an einen Druckfehler glauben lassen. Tatsächlich sind es denn schließlich auch elf Werke weniger geworden - doch könnten es auch, wenn die Wand, an der jetzt nur ein Bild klebt, 'besser genutzt' worden wäre, gut und gerne elf (oder auch zweiundzwanzig) mehr sein.

Eine der Qualitäten von Gerhard Martinis Ausstellung im 'Neuen Kunstverein Gießen' besteht nun ohne Zweifel in der Art und Weise, wie er auf die 'Macken' des nicht eben 'idealen' Raums (dessen besondere Eignung für Ausstellungen aber vielleicht gerade in den Widerständen liegt, die er den Künstlerinnen und Künstlern entgegensetzt) reagiert hat. Wenn denn also die Nutzung nicht der 'längsten', sondern vielmehr der 'am wenigsten kurzen' Wand unseres Raums noch zusätzlich durch einen in der linken Ecke aufsteigenden Kamin beeinträchtigt wird: was bleibt dem Künstler anderes übrig, als seine Präsentation um die Ecke herum in die angrenzende Nische weiterzuziehen? Was wiederum zur Folge hat, dass der ursprünglich für die Rückwand dieser Nische vorgesehene Neunerblock um eben dieses Stück zu weichen hat und dadurch in die Ecke gedrängt wird. Was aber wiederum und wunderbarerweise bewirkt, dass die ganze Ausstellung in Bewegung gerät -dass selbst und gerade aus den 'ungünstigsten' Blickwinkeln (von der Eingangstür her; von der Durchreiche aus, an der früher die Besucher des Kiosks ihre Zeitungen, ihre Kaugummis und ihr Bier bezogen) sich neue und interessante Perspektiven und Einblicke ergeben.

Allerdings liegt die Verschiebung der achtundfünfzig in lockerer Gruppierung und der neun im strengen Block arrangierten Bilder nicht nur (formal) in den 'Unzulänglichkeiten' des Ausstellungsraums begründet. Vielmehr scheint es (auf einer inhaltlichen Ebene) auch so, als ob sie vor der Ansprache, die der große Vorsitzende Michail Sergejewitsch Gorbatschow (könnte es sich aber nicht ebenso gut auch um Mao handeln?) an die versammelten (Bild-) Genossinnen und Genossen richtet, zurückwichen. 

Dieser durchaus witzige inhaltliche Aspekt ist nun aber keineswegs der einzige Grund für die Isolierung des einen und für die dichtgedrängte Hängung der anderen Bilder. Durch die Art der Präsentation werden dem Betrachter vielmehr unterschiedliche Möglichkeiten des Umgangs mit den Bildern nahe gelegt. Entstanden durch radikale Reduktion von ausnahmslos vorgefundenen Bildern -vorwiegend aus Zeitungen und Illustrierten-, entfaltet jedes einzelne von ihnen gerade durch die aus der vermeintlichen Simplifizierung gewonnene Uneindeutigkeit einen mehr oder weniger ausgeprägten Schwebezustand - sowohl zwischen unterschiedlichen gegenständlichen Ausdeutungen als auch zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion. Eine Potenzierung erfährt dieses im Sehen begründete intellektuelle Spiel in den vielfältigen Beziehungen, die sich zwischen den achtundsechzig einzelnen Bildern ergeben.

Text zur Ausstellung Gerhard Martini, 2005, Neuer Kunstverein Giessen.

Das Frühwerk

Hase, 70 x 60 cm, Öl auf Leinwand, 1976

Erich Neumann's Roter James Grieve, 200 x 180 cm, Öl auf Leinwand, 1977

Schwein, 200 x 280 cm, Öl auf Leinwand, 1978

Flugzeug, 200 x 400 cm, Öl auf Leinwand, 1979

Zackenbarsch, 120 x 200 cm, Öl auf Leinwand, 1981

Klarapfel, 200 x 180 cm, Öl auf Leinwand, 1981

Pflaume, 80 x 60 cm, Öl auf Leinwand, 1983

Kirsche, 60 x 65 cm, Öl auf Leinwand, 1983

Tulpe, 73 x 68 cm, Öl auf Leinwand, 1990

Die Malerei von Gerhard Martini
Thomas Hirsch, 2007

Ein Gemälde, großformatig, in Gerhard Martinis letztem Jahr an der Akademie entstanden, zeigt die hintere Hälfte eines Passagierflugzeugs, umfangen von blauem Himmel. Im Ablauf der Fenster ergibt sich eine gleichmäßige Sequenz, auf dem Heck befindet sich ein rotes verschlungenes Logo. Die Malerei selbst bleibt flächig, jeder Pinselduktus ist zurückgenommen.

Gerhard Martini erwähnt den kunsttheoretischen und praktischen Kontext, aus dem heraus das "Flugzeug" Ende der siebziger Jahre entstanden ist. Er verweist auf die Konzeptionen, welche die Malerei unterwanderten und bis heute in sein Werk hineinspielen, auf das Werk von Daniel Buren und auf die fünf monochromen Räume von Jannis Kounellis in Rom, auf den Einfluss von Benjamin Buchloh.
 Martinis Malerei ist auch eine Malerei über Malerei. Sie bedient sich dabei des Vokabulars der Alltagsfotografie, der Postkartenmotive und verklausuliert des Bildjournalismus. Die Anbindung an die Realität ist konstituierend, führt schließlich zum Zueinander von Gegenständlichkeit und gegenstandsfreier Anlage.

Gerhard Martini, der an der Düsseldorfer Akademie bei Gerhard Richter studiert hat, stellt bereits mit. vierundzwanzig Jahren bei Konrad Fischer in der Neubrückstraße aus. Die Skepsis und die Nachdenklichkeit gegenüber dem Medium aber bleibt. 
Natürlich ist jedes Auflisten der Werkgenese eine Verkürzung und erzeugt Missverständnisse, zumal es einiges auslässt. 
Vielleicht vermittelt es eine Ahnung: Kurzzeitig entwickelt Martini Fotoserien, dann objekthafte Akkumulationen in Verbindung mit einem Tafelbild. In der ersten Hälfte der achtziger Jahre setzt er mit der Malerei, mit Gemälden von Obst neu ein und schließt damit an seine erste Bildfolge überhaupt an, die im Studium entstanden ist. 
Gegeben sind einfache Dinge, deren Form und Plastizität, Oberfläche und Glanz vermittels Malerei weit mehr präsent sind als dies ein Foto leisten kann.

Ab Mitte der neunziger Jahre entstehen Arbeiten, die Bilder der klassischen Moderne

aufgreifen, diese in ähnlichem Vortrag sozusagen reproduzieren: Bilder von Künstlern wie Van Gogh, Gauguin, Corinth, die zum Allgemeingut der Kunstgeschichte gehören und von Martini besonders geschätzt werden. Jedoch bricht er mit der Vorlage, indem er den Maßstab verändert und in die untere Bildhälfte Text aus den unterschiedlichsten Bereichen setzt, in der Art ausgestanzter Schablonen und mit leuchtender Farbigkeit, so dass die Schrift wie auf einer anderen Ebene vor der Darstellung steht. 
Martini arbeitet mit dem Zueinander von Fläche und Bildraum, dünnem deckenden Auftrag und pastoser Formulierung, der Sinnlichkeit reiner Malerei und dem methodischen Ausloten von Motiven und Bildklischees.

In den letzten Jahren ist weiteres hinzugekommen. Der Träger wechselt zwischen Leinwand, dünnen Metallplatten, Schichthölzern und Kunststoffen, teils als transparente Flächen, auf welche die Farbe wie Inseln gesetzt ist. Die Arbeiten sind nun kleiner, haben kaum die Größe einer Postkarte. In der jüngsten Zeit beschränkt sich Martini auf Aluminiumplatten, über denen sich in geschlossener Fläche, zum Teil mit schwarzer und weißer Lackfarbe, Silhouetten von Figuren, Köpfen befinden. 
Die fragile Unberührbarkeit der Erscheinung geht einher mit Fließbewegungen ohne Gestus, im Kontrast zum rohen und gebrauchten präfabrizierten Träger. 
Nach wie vor aber lässt sein Vorgehen (vermeintliche) Regressionen zu. So hat er vor ein paar Jahren, als Auftrag für das Klinikum Heidelberg, einen riesengroßen Pfirsich zur Kombination mit einem analogen Bild - einem Apfel - aus den siebziger Jahren gemalt. Der konzeptuelle Umgang mit den bildnerischen Medien bleibt evident.


Das ist doch van Gogh!?

DAILY SEX, 130 x 170 cm, Öl auf Leinwand, 1992

BLUE, 130 x 100 cm, Öl auf Leinwand, 1991

ARROMANCHES LES BAINS 7:45, 140 x 180 cm, Öl auf Leinwand, 1989

GOD IS A CONCEPT, 180 x 220 cm, Öl auf Leinwand, 1994

BAPU, 150 x 200 cm, Öl auf Leinwand, 1994

GUNSHY, 100 x 130 cm, Öl auf Leinwand, 1994

Muh, 75 x 90 cm, Öl auf Leinwand, 1996

Lowlands, 150 x 200 cm, Öl auf Leinwand, 1993

SHAVING IS BORING, 180 x 220 cm, Öl auf Leinwand, 1993

NY VALE 6:15 SUN, 100 x 120 cm, Öl auf Leinwand, 1990

Strange Angels, 150 x 220 cm, Öl auf Leinwand, 1990

Waldmeister, 140 x 180 cm, Öl auf Leinwand, 1995

WHALES, 150 x 180 cm, Öl auf Leinwand, 1992

Das ist doch van Gogh!

JS 

Was ist van Gogh? Wir sitzen an einem stillen Ort und richten den Blick von unseren eigenen Füßen auf einer synthetischen Fußmatte hin zu einer Reproduktion des Sämanns von van Gogh, die an der verschlossenen Tür mit Klebeband befestigt ist.


Was ist van Gogh? Oder WER ist van Gogh? Zwischen den Comic-Heften unter dem

Waschbecken liegt der im letzten Jahr in einer Bahnhofsbuchhandlung im Ramsch erworbene Farbband Van Gogh, Sein Werk und sein Leben. Der Klappentext berichtet von einem genialen Maler, der zwischen Wahnsinn und Genialität sich bewegend, sein Leben gänzlich der Malerei widmete.

Seiner Malerei. Genial. Lassen wir uns das noch einmal auf der Zunge zergehen…
Die Augen sinken wieder auf die eigenen Füße, der Kopf macht einen ungewollten Sprung, und beim erneuten Aufblicken stehen wir in einer Schlange von Menschen, die Einlass erwarten. Einlass in Die Große van Gogh Retrospektive. Wir tragen zum neuen Besucherrekord bei.Immerhin. Nach zwei Stunden sind wir in der Schlange an allen Exponaten einmal vorbeigeschoben worden und stehen wieder vor der Tür. 
Da war doch was. Hatte dieser Mann Kultur?

Sie setzte sich aus den Eindrücken seiner Umgebung zusammen? Wie sieht unsere aus?

Van Gogh ist ein Teil unserer Kultur? Nein. Doch das, was von seinem Leben überliefert wird, vermittelt sich durch die Kulturmaschine unserer Kulturgesellschaft. Also keine Bedenken, van Gogh heute als einen Teil von Populär-Kultur zu begreifen. So wie wir seine Arbeit kennen, ist sie Teil der Mediengesellschaft, ein Stück im großen Informationskuchen.

Das nimmt der ursprünglichen Bedeutung der Bilder nichts, doch es beeinflusst unsere Rezeption dieser Arbeit in nicht geringem Maße. Network, van Gogh um 9:09 in San Francisco, um 6:15 in NY, vor dem Sonnenaufgang im Osten. Multikultureller Informationsüberfluss aus mindestens dritter Hand. Wir haben die viel zu seltene Situation der heruntergefallenen Kinnlade vor dem gut bewachten Original eingetauscht gegen seine Verfügbarkeit aus dem Medienpool. Computeranimierte Bilderwelten in Cinemascope von Kurosawa gegen das hilflose Schweigen vor einem 30 x 40 Zentimeter kleinem Original. Wie war der Urlaub in der Südsee? Hallo Gauguin. Gibt es noch etwas zu berichten, wo alles berichtet wird.        

Haltung gefordert! Wir können uns nicht vormachen, diese Bilder wie vor 100 Jahren sehen zu können. Haltung bezogen! Ein Bekenntnis. Ein Geständnis. Ja, wir sind nicht mehr unschuldig. Die Doors im Radio aus der Zukunft gehört beim betrachten von Vermeer. Slogans von der Bundespost auf van Gogh Repro # 326. Martini arbeitet im JETZT. In einem Haufen von Kulturgeschichte stehend, der sich ständig zur aktuellen Kultur neu zusammensetzt. Martini bezieht Stellung. Keine Dogmen, kein Idealismus. Augen auf. Umsetzen. Zusammenarbeiten. Jenseits und diesseits der Vorlagen. Forschen. Die Gleichzeitigkeit der Zeiten erkennend. Fertig. Tür aufschließen. Weiter malen …

Silhouetten

Broken English, 200 x 150 cm, Öl auf Leinwand, 1996

Kerze, 130 x 95 cm, Öl auf Leinwand, 1995

Emma, 21 x 23 cm, Öl auf Folie, 1997

Little Red Riding Hood, 15 x 11 cm, Öl auf Kunststoff, 1999

Jane, 32 x 24 cm, Öl auf Kunststoff, 1999

Dusche, 35 x 30 cm, Öl auf Folie, 1998

Kirschblütenfest, 23 x 32 cm, Öl auf Folie, 1998

Kuh, 21 x 23 cm, Öl auf Folie, 1998

Malerstar, 23 x 21 cm, Öl auf Leinwand, 1998

Soldier, 22,5 x 17 cm, Öl auf Kunststoff, 1999

Radfahrer, 280 x 140 cm, Öl auf Leinwand, 1996

Matthias Winzen zur Ausstellung Big Nothing 2001 Kunsthalle Baden-Baden

Im ältesten Naturkino Griechenlands herrschte Ordnung. Fest an ihre Sitze geschnallt, konnten die Besucher nur nach vorne schauen, dorthin, wo die Lichtspiele projiziert wurden. Als Projektorlampe fungierte ein Feuer. Projiziert wurde, was Passanten an Gegenständen hinter dem Rücken der Besucher vor dem Feuer vorbeitrugen: >>Bildersäulen und andere steinerne und hölzerne Bilder<<. Zu sehen waren also Bilder von Bildern, was den Erkenntnisstand der Besucher recht niedrig hielt: >>Auf keine Weise also können diese irgend etwas anderes für das Wahre halten als die Schatten jener Kunstwerke.<<


Seit Platons Höhlengleichnis ist im Abendland einiges passiert, unter anderem kam Ende des 18. Jahrhunderts der Schattenriss, die handgefertigte Vorform der Portraitfotografie, in Mode - um alsbald von der Portraitfotografie verdrängt zu werden. Heute beschert uns die Fotografie (und erst recht das laufende Filmband) eine solche Fülle von Gesichtern, die uns schattenlos (dabei durchaus künstlich) in unseren häuslichen Höhlen angucken und ansprechen, dass die von Platon einst bemängelte Informationsarmut silhouettenhafter Abbildungen einen neuen Reiz bekommen hat.


Gerhard Martinis (geboren 1953) Bilder von Köpfen oder Figuren zeigen in ihrem Zentrum monochrome, pastos durchstrukturierte Flächen. Einerseits geben diese Bilder ohne falschen Schein zu erkennen, was sie sind: Ein gemaltes Gesicht ist nie anwesend, nur die Farbe ist anwesend. Andererseits wirkt der mimetische Verzicht im Inneren der Silhouette wie ein Loch, eine Ausblendung (bei Platon beginnt die Befreiung von Unwissen mit Blendung: dem Blick ins Licht). Die Bilder bieten dem Betrachtergesicht kein Bildgesicht als antwortenden Spiegel mehr an. Jedoch zeigt diese Malerei ihren Verzicht nicht als düsteres Verdämmern, sondern in signalhafter Deutlichkeit. Hier wird nicht mangelnde Erkenntnishelle gleichnishaft kritisiert, sondern Erkenntniskonventionen hell und klar in Zweifel gezogen. Hat Platons bis heute folgenreiche Gleichsetzung von Licht mit Wahrheit und Vernunft im Zeitalter elektronisch simulierter, heller Anwesenheit eines Fernsehgesichts im Wohnzimmer noch Sinn? Martinis Gemälde sind Bilder von Bildern, wobei die Vorlagen „Kunstwerke“ sowohl in Platons eher abfälligem Wortgebrauch von Tand sind (Postkarten, Zeitungsfotos), wie im heutigen Sinn, also Bilder anderer Maler. In einer durchkommerzialisierten, auch im Kunstmarkt extrem beschleunigten Bilderwelt, die Informationen mit Erkenntnissen verwechselt, nimmt sich eine Malerei philosophisch aus, die mit Platons Lehre zu sagen scheint: „Ich weiß, dass ich nichts weiß.“

schwarz

Eismeer, 130 x 180 cm, Öl auf Leinwand, 1984

TOPLESS BAR, 110 x 170 cm, Öl auf Leinwand, 1986

THE FATHERS ARE CACKLING IN TREES OF THE FOREST, 130 x 200 cm, Öl auf Leinwand-1987

THE DALAI LAMA SMILED AND SAID, 120 x 170 cm, Öl auf Leinwand, 1988

Fleisch, 140 x 180 cm, Öl auf Leinwand, 1988

Schimmel Pilz, 130 x 220 cm, Öl auf Leinwand, 1984

TRUE SAILING IS DEAD, 150 x 200 cm, Öl auf Leinwand, 1987

WOKE UP THIS MORNING, 150 x 200 cm, Öl auf Leinwand, 1988

FROZEN MOMENT, 140 x 180 cm, Öl auf Leinwand, 1988

THE MOON IS A DRY BLOOD BEAST, 140 x 180 cm, Öl auf Leinwand, 1988

Papierarbeiten

Hermes, Colorstift auf Papier, 70 x 50 cm, 2013

Bondage, Colorstift auf Papier, 76 x 50 cm, 2013

Tee, Colorstift auf Papier, 76 x 50 cm, 2013

Polizistin, 51 x 38,5 cm, Colorstift auf Papier, 2014

Pants, 21 x 29,7 cm, Colorstift auf Papier, 2019

Pants, 21 x 29,7 cm, Colorstift auf Papier, 2019

Pants, 21 x 29,7 cm, Colorstift auf Papier, 2020

Spritzer, 51 x 42 cm, Colorstift auf Papier, 2014

Wanderung durch die Mark Brandenburg, 100 x 65 cm, Colorstift auf Papier, 2016

Giacometti, 65 x 50 cm, Colorstift auf Papier, 2018

2 Euro Jobber, Colorstift auf Papier, 76 x 50 cm, 2013

Goldstück, Colorstift auf Papier, 76 x 50 cm, 2013

Hahn, 51 x 38 cm, Colorstift auf Papier, 2014

Supernova, 50 x 65 cm, Colorstift auf Papier, 2015

Fass, 100 x 65 cm, Colorstift auf Papier, 2018

Pants, 21 x 29,7 cm, Colorstift auf Papier, 2019

Dedicated to George Grosz, 60 x 50 cm, Colorstift auf Papier, 2014

Beatrix, 50 x 65 cm, Colorstift auf Papier, 2015

Giacometti II, 76 x 50 cm, Colorstift auf Papier, 2017

Haut, 100 x 65 cm, Colorstift auf Papier, 2018

Vita – Gerhard Martini


1953 in Bochum geboren


1973 – 80 Studium an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf


1979 Meisterschüler bei Gerhard Richter


1981 Wilhelm Morgner Preis, Soest


1982 – 84 Lehrauftrag an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf


2014 Arbeitsstipendium Kunstfonds


Ausstellungen


1977 Galerie Konrad Fischer, Düsseldorf


1978 Schlaglichter, Rheinisches Landesmuseum Bonn (Publikation)


1979 Perspektiven, Kunsthalle Düsseldorf (Publikation)


1981 Wilhelm-Morgner Haus, Soest


1984 Galerie Elisabeth Schäfer, Wuppertal 


1990 90 Bochumer Künstler, Museum Bochum (Publikation)


1995 Galerie Cora Hölzl, Düsseldorf


1999 Galerie Ralf Radtke, Krefeld


Siemens, Internationales Führungszentrum, Feldafing


Galerie Roland, Köln


2001 Big Nothing, Staatliche Kunsthalle Baden-Baden (Publikation)


2004 Universitätsklinikum Heidelberg (Kunst am Bau)


2005 Neuer Kunstverein Giessen


2010 Zu Gast bei Birgit Werres, Düsseldorf


Wilhelm Rechtsanwälte, Düsseldorf


2018 Zu Gast bei Elisabeth Brockmann und Alexander Vejnovic, Düsseldorf 


2019 Die Große, Museum Kunstpalast Düsseldorf (Publikation)


2020 Heile Welt / Idylle, Kunsthalle Banitz



Gerhard Martini

Bei Anfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]

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